AsF Baden-Württemberg

 

ASF zur Sexismus-Debatte: Die Zeit ist reif für eine Reform des § 177 StGB

Veröffentlicht in Kreisverband

Mit Spannung und Anteilnahme, aber auch einigem Unverständnis, verfolgt die ASF Baden-Württemberg die aktuelle Sexismus-Debatte in Medien und Hashtags.

Losgetreten durch den Bericht einer Journalistin über das Fehlverhalten des neuen FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle, hat diese Debatte inzwischen in Tausenden von Beiträgen die alltäglichen Abgründe der Belästigung und Abwertung von Frauen freigelegt – und ein Ende ist nicht in Sicht. „Was dabei am meisten verstört, ist die Aufrechnungstendenz in vielen Beiträgen und das Bestreben, die Glaubwürdigkeit von Zeuginnen anzuzweifeln“, so das ASF-Landesvorstandsmitglied Dr. Claudia Schöning-Kalender. „Kaum berichtet eine Frau von sexistischen Übergriffen, wird ihr ‚Humorlosigkeit‘, Unweiblichkeit, Rachedenken oder gar ein psychischer Defekt unterstellt. Das heißt, nach einem zutiefst verunsichernden und verletzenden Erlebnis trifft sie auch noch auf eine Atmosphäre von Verrohung, Häme und – zumindest unterschwellig – Androhung weiterer Gewalt.“ Dies geschehe beispielsweise auf den allgemeinen Medienseiten, während die Opfer Unterstützung und Verständnis vor allem unter dem von zwei jungen Frauen geschaffenen Hashtag #Aufschrei erfahren würden.
„Es ist an der Zeit, dass in unserer Gesellschaft offen über das Problem des Alltagssexismus gesprochen wird und alle Beteiligten sich auf neue und bessere Umgangsformen im Sinne von Wertschätzung und Nichtdiskriminierung verständigen“, fordern die SPD-Frauen. Einen wesentlichen Beitrag dazu könnte die Reform des § 177 StGB leisten. Schöning-Kalender: „Offenheit und ‚consent‘ (also das Erfordernis von beiderseitigem Einverständnis) sollte das Verhältnis von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft prägen.“ Hingegen ermuntere die geltende Rechtslage geradezu zur Belästigung und zum Austesten stets neuer Grenzen – da ja für erlaubt gehalten werde, was nicht verboten sei.