Frauennotrufe und Frauenhäuser sind systemrelevant!

Veröffentlicht am 25.03.2020 in Pressemitteilungen

Unausweichlich, mit denselben Personen, über Wochen und auf begrenztem Raum, unter Stress, mit Sorge vor Krankheit, großer Verunsicherung, mit Zukunfts- und Existenzängsten - das alles birgt zusätzliches Konfliktpotenzial.
Schon zu „Normalzeiten“ sind die eigenen vier Wände oft nicht das traute Heim. Häusliche Gewalt ist in Deutschland ein großes Problem.


Ausgangsbeschränkungen werden den Druck in vielen Familien und Partnerschaften, insbesondere für Frauen und ihre Kinder, erhöhen.

Die Landesvorsitzende der SPD-Frauen, Sonja Elser, stellt klar: „Kontaktsperren dürfen nicht dazu führen, dass Frauen keine Auswege mehr aus häuslicher Gewalt finden. Sie haben ungeachtet äußerer Umstände, das Recht auf ein Leben ohne Gewalt. Es braucht die Möglichkeit, dem häuslichen Terror zu entfliehen, Rat und Hilfe zu suchen und zu finden!“

Frauennotrufe und –beratungsstellen sind für solche Situationen spezialisiert und arbeiten mit den Frauen zusammen an Wegen aus scheinbarer Ausweglosigkeit. Frauenhäuser bieten den Betroffenen Zuflucht, Schutz und qualifizierte Unterstützung.


Die Profis in den Frauenunterstützungsstrukturen schlagen Alarm: Corona prägt erst seit einer Woche unser Zusammenleben. Doch die Hilferufe mehren sich schon jetzt von Tag zu Tag. In den meisten Bundesländern reichten die Plätze in Frauenhäusern schon vor der Corona-Pandemie nicht aus. Die Nachfrage erhöht sich jetzt täglich. Regeln zur Eindämmung des Virus zwingen außerdem zu Abstandsgeboten und einer Reduzierung der Plätze. Wir brauchen aber gerade jetzt eine unkomplizierte und bedarfsgerechte Ausweitung der Kapazitäten. 


Die SPD-Frauen fordern die Länder und Kommunen auf, die Not von Frauen nicht zu ignorieren. „Im Interesse der Gemeinschaft müssen unbürokratische Lösungen für die von Gewalt Betroffenen gefunden werden“, verlangt  Elser und fügt an: „Frauenhäuser und Frauennotrufe waren immer schon systemrelevant. Ihr Bedarf wird in den nächsten Wochen und Monaten steigen.“

Ganz konkret bedeutet das:

1. Sicherung der Gehälter 
Durch die fehlende Möglichkeit der Beratungsstellen, z.B. durch Benefizveranstaltungen, Spendenwerbekampagnen oder durch öffentliche Veranstaltungen Eigenmittel zu generieren, sind die sie ganz besonders davon abhängig, dass die Gehälter der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen durch die öffentliche Hand gesichert werden.
Qualifizierte Mitarbeiterinnen, die durch Krankheit ausfallen, müssen umgehend ersetzt werden können. Dafür sind gesicherte Finanzierungswege unumgänglich. Zum Schließen von Frauennotrufen oder Frauenhäusern darf es auf keinen Fall  kommen

2. Unterstützung bei technischer Ausstattung für Telefon- und Onlineberatung
Wenn Beratung, das Zuhören, das Trösten oder die Suche nach einem Ausweg nicht mehr persönlich in den Geschäftsstellen möglich sind, brauchen die Einrichtungen eine schnelle Unterstützung im Ausbau ihrer technischen Möglichkeiten, um in den Onlinebereich zu wechseln und auch für Selbsthilfegruppen technische Gruppenangebote aufzubauen.

3. Ausbau von weiteren Notschlafplätzen für Frauen und deren Kindern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind
Durch unbürokratische Maßnahmen, wie das Anmieten von derzeit stillgelegten Hotels, muss für eine Aufstockung von Frauenhäusern mit sog. Ausweichschlafplätzen gesorgt werden. Wir brauchen jetzt sofort für die kommenden Monate mehr Betten, und nicht weniger.


4. Gemeinschaftsaufgabe „Private Gewalt ist nicht PRIVAT!“
SPD-Frauen kämpfen seit Jahren um jeden Platz in den Frauenhäusern. Dieser Kampf für die körperliche und seelische Gesundheit von Frauen ist heute wichtiger denn je. Gewalt gegen Frauen ist eine Straftat. Die aktuellen Aufrufe zum Zusammenhalt zwingen Frauen unter Umständen zum Ausharren in Situationen, die höchst gefährlich bis lebensbedrohlich sein können. Gewalt gegen Frauen ist ein gesellschaftlicher Skandal, der alle angeht.